Ich beobachte es immer wieder –
Eltern, in (rein subjektiv) den meisten Fällen Mütter, fotografieren ihre schwer kranken Kinder in allen möglichen Situationen, insbesondere in Solchen, in denen es ihnen sehr schlecht geht… und… …posten diese Fotos auf Facebook.
Vor lauter „facepalmen“ kriege ich jedes Mal eine knallrote Stirn.

Wieso haben erwachsene Menschen das Bedürfnis, die Blessuren und das Leid der Schwächsten ihrer Familie einem großen Publikum wildfremder Namen auf Facebook zu präsentieren?

Würden sie sich selbst auch halbnackt, narkotisiert, voller Schläuche und sich einfach nur erbärmlich fühlend im Internet sehen wollen?
– Sicher nicht, oder?

Warum tun diese erwachsenen Menschen das dann ihrem eigenen Kind, einem kleinem Menschen, der von ihrem Verhalten abhängig ist, an?
Häufig erlebe ich, dass diese Eltern auch nach Ansprache dbzgl. keinerlei Einsicht zeigen. Ganz im Gegenteil – Sie werden biestig und angriffslustig. Ihnen scheint häufig nicht klar zu sein, dass Kritik selten ohne sinnvollen Hintergedanken geäußert wird. Die, die nach diesem Schema agieren, sind trotz ihres erwachsenen Alters nicht in der Lage, sich selbst und ihr Handeln zu reflektieren.
Ich bin selbstverständlich auch nicht frei von Fehlern. Allgemein betrachtet.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass seit Facebook, Twitter und co. generell ein für mich persönlich sehr befremdliches Empfinden von Privat/Intimsphäre herrscht.
Ich finds echt grauenvoll. Hoffentlich wachen diejenigen mal aus ihrer Internetexhibistonismushypnose auf und unterlassen diese groben Verletzungen der Privatsphäre Schutzbefohlener.

12 thoughts on “Achtung, provokant und äußerst subjektiv

  1. Unknown Unknown Unknown Unknown

    nun, ich glaube, menschen die das tun machen das weniger deshalb, weil sie z.b. die eigenen kinder „blossstellen“ wollen oder effekthascherei betrieben, sondern mehr deshalb, weil sie einerseits mitgefühl/mitleid haben wollen, oder zuspruch, oder vielleicht auch guten rat oder hilfe, ideen wie man besser mit der situation umgehen kann; und andererseits, weil sie der meinung sind dass ihnen ohne bilder keiner glaubt wie das ist. jeder stellt doch bilder ins netz, von bebilderten kuchenbackanleitungen bis zu allen möglichen unsäglichkeiten, wie kann man dann glaubhaft sein ohne bilder? auch ich habe mich schon oft gewundert wieso manche leute das tun – eine andere erklärung habe ich nicht gefunden.

    1. Unknown Unknown Unknown Unknown

      ach kelef, das mit dem Mitleid ist doch oft nur eine Form der eigenen Problembewältigung und hat nichts mit hehren Gefühlen zu tun. Das Wort Mitleid hat schon eine seltsame Bedeutung, oder glaubst Du im Ernst, dass jemand, der (m/w) selbst nicht direkt betroffen ist, das Leid des Patienten (auch m/w) überhaupt ermessen kann?
      Ich halte absolut nichts von der Nicht-Beachtung des Rechtes am eigenen Bild, auch wenn es sich um Kinder handelt!

  2. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Hat dies auf textschiff rebloggt und kommentierte:
    Es wird immer mötiger, sich darüber Gedanken zu machen, welcher Gebrauch von „sozialen“ Netzwerken im Internet sinnvoll, welcher sinnlos oder gar schädlich ist. Den hier rebloggten Beitrag der „OP-Tischpilotin“, die übrigens online sehr souverän imt ihrer Krankengeschichte umgeht, halte ich für unbedingt lesenswert!

  3. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Seht her, welch ‚ schweren Job ich habe! Was für Opfer ich bringe! Habt Mitgefühl mit mir!
    Diese Botschaften stecken in den Bildern.

    Manchmal auch : ICH brauche Hilfe.
    Letzteres ist Mangelware für Eltern mit kranken Kindern.
    Wenigsten virtuell ein wenig Unterstützung…..

    Prima, dass du das zum Thema machst.

  4. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Kann es auch nicht nachvollziehen ;(
    Über haupt das man Kinder in negativen Situationen Fotografisch ins netz stellen muss. Ich selbst poste nur positive Bilder, und das auch nur einem eingeschränkten kleinen Klreis von Freunden/Familie. Niemals öffentlich!

  5. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Ich glaube das Problem ist deutlich größer und betrifft nicht nur kranke Kinder.

    Ich frage mich:

    Möchte die Mutter wirklich, dass der Personalschef ein Bild von „meinem kleinen Fratz im Bärchenkostüm“ sieht, wenn später, bei seiner Bewerbung um eine Lehrstelle, der Personalschef nach dem seinem Namen googelt?

    Und manche Selfies!.. besser kein Komentar.

    Einer der Gründe warum ich ein absoluter Facebook Verweiger bin.

  6. Unknown Unknown Unknown Unknown

    je nachdem, welche Einstellung man bei FB hat, sieht mnicht die ganze Welt diese Fotos. Vielleicht teilen sie diese Fotos auch nur mit Freunden und/oder Verwandten, die nicht zu Besuch kommen können, weil sie weiter weg wohnen. Mal darüber nachgedacht?

  7. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Ich gehe auch mal davon aus, dass keiner, der Fotos von seinem kranken Kind postet, diesem damit in irgendeiner Art schaden will.

    Viel mehr denke ich, dass diese Leute einfach am Ende sind und nicht mehr weiter wissen – denn was gibt es schon schlimmeres? Das posten ist dann oftmals quasi eine Art virtueller Hilferuf oder ein Versuch der Verarbeitung.

    Und an dieser Stelle hört scheinbar die Fähigkeit auf, zu denken, bevor man handelt (falls sie jemals da war). Da wird dann einfach munter drauf los gepostet, ohne sich darüber im klaren zu sein, was man da eigenlich macht. Das hochladen von Kinderfotos wird dann genau so normal wie das Posten, was es zum Abendessen gibt… Und keiner bemerkt den gravierenden Unterschied, weil keiner darüber nachdenkt, was man dem Kind eigentlich antut. Geht gar nicht!

    Was ich daran überhaupt nicht verstehe: Wenn diese Leute wirklich nur Mitgefühl und Unterstützung brauchen, warum sprechen sie dann nicht mit Familie, Freunden etc.? Heutzutage muss alles immer gleich die ganze Welt wissen…

  8. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Ich habe immer mehr den Eindruck, dass Leute das Web0.2 (Twitter, Facebook etc) gar nicht so sehr als Kommunikation mit anderen Menschen begreifen, sondern als Kommunikation mit dem Handy. Das Handy ist immer da, hört immer zu.

    Und irgendwann ist die Überraschung groß, wenn sich herausstellt, dass da auf „der anderen Seite“ richtige Menschen sind, die das alles lesen und sehen.
    Menschen, die irgendwie reagieren. Mit Mitgefühl, Spott, plumper Neugier, Langeweile oder womit auch immer.

  9. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Der Eindruck drängt sich auf alle Fälle auch mir auf. Nicht nur, wenn die Kinder krank sind, sondern auch sonst werden da Bilder von den Kindern ins Netz gestellt, wo man sich denkt: Muß das sein?

    Wobei ich mich nicht völlig davon freisprechen kann. Von meiner Tochter gibt es auch Bilder im netz. Aber die Zahl ist definitiv einstellig und keines ist wirklich geeignet, sie dort wiederzuerkennen. Das ist mir schon wichtig.

  10. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Ich vermute, dass es den Eltern (ohne böse Absicht!) darum geht Mitleid zu erhalten und so für etwas zu werben (Verständnis für die Krankheit, mehr Unterstützung vom Staat…). Ähnlich wie mit hilflosen herzigen Tieren äusserst erfolgreich Geld gesammelt wird. Ich bin jedenfalls froh, dass von mir keine solchen Bilder im Netz sind.
    Jedoch wurde einmal über meinen Kinderarzt ein Film gedreht und meine Eltern (und ich) gaben das Einverständnis, dass ich gefilmt werden darf, wenn mein Gesicht oder Name nicht gezeigt wird. Die Dokumentation war soweit ok, allerdings wurde viele Jahre später in den Nachrichten unveröffentlichtes Archivmaterial mit meinem Gesicht gezeigt.

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