2013-07-03 18.21.57

 

Das musste festgehalten werden!!! 😀

 

 

 

Es gibt Tage, an denen ich dem OP-Personal wünsche, dass es die eigentlich für mich vorgesehene Prämedikation bekommt. Denn wer mir einen Zugang legen muss, hört meist wütend und resigniert auf. Je nach Schwelle der individuellen Frustrationstoleranz gehen die Reaktionen von wilder Flucherei (Die ich zum Schutz potenziell zartbesaiteter Leser lieber nicht niederschreibe 😀 ) bishin zu Wutattacken und Nervenzusammenbrüchen.

Dieses Mal war’s besonders heavy. Immerhin hat meine Anästhesistin weiterhin gute Laune gehabt und… gesungen.. 😀 (geniale Copingstrategie – Wirklich!)

Runde 1:

Schwester X zückt jamesbondartig das Desinfektionsmittel und sprüht es zielsicher auf meine rechte Hand. „Na, da hast du ja doch eine gute Vene für uns übrig!“ meinte sie. Blitzschnell zog sie den blauen Venenzugang aus der Verpackung und meinte „Zääähne zusammenbeissen! Ich zähl‘ bis drei und bei drei kommt die Nadel!“ „(…) ..uuuuuuunnd drei!“  – Die Nadel befand sich nun in meinem Handrücken. Mehr aber auch nicht. Nach kurzem Hin-und.hergeschiebe des Zugangs wurde er blau und dick. Klasse. Also: raus mit dem Ding und erstmal mehrere Minuten drücken, damit das Hämatom nicht allzu groß wird.

Nun wird weiter an meinem rechten Arm rumgeklopft und rumgezottelt.

Runde 2. The same procedure. Mal wieder steckt das gute Stück zwar im Arm, aber… Es tut sich nicht viel. Also: Noch ein wenig rumstochern („Na komm, Vene, put put puuut!“), aber da sich meine Venen auf diese perfide Art und Weise nicht anlocken lassen: Raus mit dem Ding und wieder auf die Einstichstelle drücken.

So ging es noch ungefähr vier mal. Plötzlich kam die Schwester auf die Idee, an meinen Füßen weiterzustechen. FÜSSE? Oh, mist. Das tut nämlich wirklich weh. Ganz klasse. Nun kam auch die singende Anästhesistin in die Einleitung und es wurde an meinen Armen und Füßen gleichzeitig rumgezottelt. Und auf zur Runde 7. Diesmal sah man etwas in der Nähe der Fußsohle (oww, f***!). Das Desinfektionsmittel kitzelte ein wenig und – nun ja, dann kam die Nadel. Nun wurd‘ ich doch etwas nervös und die Schwesternschülerin lenkte ein: „Denk mal an was Schönes!“ (Hä – Eigentlich ist das der Narkoseeinleitungsstandartspruch: „Und nun bekommst du die Maske auf. Bitte gaaaanz tief Luft holen und an was Schönes denken!“ (klappt allerdings dank totaler Bekifftheit nur begrenzt.)) Ich versuchte krampfhaft an eine Bell 412 zu denken. Schwester: „1“ … ich (in Gedanken): „Bell!“ … „2“ …“Wo bleibt das Ding, wenn man’s mal braucht“ … „3“ … „BÄÄÄLL! SCHEISSE, wie sieht das Ding nochmal aus!?“ … „Und jetzt kommt die Nadel.“ .. „AUA!“ Ich spürte richtig, wie sich das spitze Ding durch die Haut bohrte und irgendwie zog sich das Stechen in die Fußsohle hinein. Auch dort ließ sich der kleine Schlauch nicht in die Vene einbringen, es wurde wieder drin rumgestochert, was ordentlich wehtut – schliesslich befinden sich im Fuß etwas empfindlichere Nerven… „Hm, wird auch dick“ sprach die Schwester, die ich in Gedanken „Killerbiene“ getauft habe und zog den Schlauch wieder raus.

Dann gings weiter. wieder nach Venen tasten, eine finden und rein mit dem Ding. In den Fuß… Wieder wird drin rumgestochert, es könnte ja sein, dass man trotzdem irgendwie eine Vene erwischt – Schwester:“Hältst du’s noch aus?“ – Ich: „Joa. Aber ich hab‘ ziemlich Hunger!“ Schülerin: „ooh, ich hätte jetzt auch Lust auf Frühstück!“ Anästhesistin (zu mir): „Du bist ja schon selbst so ein Käseigel!“ Ich musste lachen, jedoch musste der Zugang wieder raus und die Suche ging weiter. Die Anästhesistin ging singend zum Telefon, um  einen weiteren Doc herzurufen. „schwierige Venenverhältnisse, Saal 5!“ Nach ein paar Minuten kam ein Oberarzt, sah mich an und meinte: „Du wieder. Jetzt wundert mich garnichts mehr!“ und grinste mich an. Er fing nun auch an, meine Arme nach einer brauchbaren Stelle abzusuchen, was sich nicht gerade als einfach herausstellte. „Nee, da brauchen wir ein Sonogerät“. Er ging zum Telefon, um eins zu „bestellen“, es war jedoch belegt. Da wir eh‘ lang darauf warten mussten, ging’s weiter mit dem Suchen und Stechen. Dann kam Bullidoc in den vollen, engen Raum. Er vertrat Sirktakidoc, der mich sonst immer behandelt. Wir unterhielten uns kurz, bis die Anästhesistin meinte: „Du kennst’se länger als ich, also mach du mal!“ und eine neue Nadel in die Luft hielt. „meint ihr wirklich.. äh.. nee“ „Schaffste“ wendete die Anästhesistin ein. „Naja..gut..“ antwortete Bullidoc und machte sich an’s Werk. Beim dritten gescheiterten Versuch (er hat’s mal geschafft, mir nach 45 min (45 min., da gerade DA mein Beutel ’ne Leckage hatte..) eine rosa (!) Kanüle zu legen – das schafft kaum einer!) gab er letzendlich verzweifelt auf und stelle sich nur noch als „menschlicher Druckablasser“ im Sinne von „wenns wehtut, drück meine Hand“ zur Verfügung. Als die Jungs und Mädels plötzlich auf die doofe Idee kamen, mir in die rechte Wade zu stechen, riss ich ihm gefühlt den Arm ab. Er hat’s klaglos hingenommen.^^ Dann kam ein zweiter Oberarzt rein, der mich seit Beginn meiner Karriere kennt. Und fing auch noch an, zu versuchen, mir einen Zugang zu legen. Und das sogar nur an den Armen. Piekst weitaus weniger! Der dritte Versuch war ein Volltreffer! Also haben wir’s doch noch zu sechst nach 1 1/2 h geschafft! Nachdem ich die Maske auf meinem Gesicht und das leicht brennend-kühle Propofol spürte, schlief ich ein. Innerhalb Sekunden…

15 thoughts on “Käseigel und Killerbienen

  1. Unknown Unknown Unknown Unknown

    …und ich auf dem tisch! ..naja gut, jetzt noch nicht. morgen früh aber. mal schauen, wie viel stresshormone, emlapflaster und kanülen diesmal draufgehen.^^

  2. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Hoffe,du bist sicher wieder gelandet.
    Deine Nerven, Geduld und Humor möchte ich haben….aber glücklicherweise schreien meine Venen um die Wette “ ich will“ wenn ich mal Blut hergeben soll. Wenigstens 1 Punkt, der mich bei Schwestern beliebt macht…

    Schönes Foto 😉

  3. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Das klingt echt wild …

    Ich hatte es glaube ich schon einmal gefragt, ist bei derartigen Schwierigkeiten nicht ein Port oder ein Dauerkatheter (Hickman) angesagt? Unser Junior hat so ziemlich jede Narkose/Sedierung durch den Hickman bekommen und die lästige Stecherei war damit unnötig. Und da du ja eh aller Nase lang perforiert wirst ..

    Gruß
    dertraurige

    1. Unknown Unknown Unknown Unknown

      DAS hatte ich vor ein paar Monaten auch schon gefragt, scheint aber wohl seitens der Ärzte bedenken zu geben… auch wenn ich das bei den Venenverhältnissen nicht mehr wirklich versteh.

    2. Unknown Unknown Unknown Unknown

      ja, es wurde schonmal angedacht und fast durchgezogen. die ärzte sind der meinung, dass die infektionen, die in der wunde entstehen (können), in den port wandern können und dort eine sepsis verursachen. wre bei meinem schlechten immunsystem mehr als kontraproduktiv

      1. Unknown Unknown Unknown Unknown

        Schade, so ein Teil würde es echt einfacher machen .. Emla drauf und fertig ist der Zugang. Ein Risiko ists natürlich, aber die Stecherei ist schon irgendwie strange 😀

  4. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Oh Mann. Ich finde Zugang legen normalerweise nicht schlimm, aber wenn es nicht auf Anhieb klappt und dann ewig rumgestochert wird, ist es schon zum Abgewöhnen. Insofern schließe ich mich der Frage nach dem port einfach mal an: Wäre das keine Möglichkeit?

  5. Unknown Unknown Unknown Unknown

    uff, mich gruselt´s!
    du arme! ich erinnere mich an einen einzigen verunglückten zugang; den fand ich schon schlimm. viel glück für die nächsten male!

  6. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Was für eine Odyssee. Mich hats beim Lesen wirklich gegruselt. Ich gebe offen zu, ich bin nicht unglücklich, mich bei meinem Patienten nicht auf solche Weise „unbeliebt“ machen zu müssen. Ich malträtiere höchstens die Fingerbeere auf der Suche nach etwas Blut zur Zuckermessung…

    Hast Du es schon mal mit folgendem Spruch versucht?
    Du: „Wir wärs, wenn ihr es mit Hilfe eines mobilen Röntgengeräts und eines Kontrastmittels (oder, wenn Du richtig punkten willst, „Ultravisc“) versuchen?“
    Stecher: „Und wie sollen wir das Kontrastmittel in Dich rein bekommen?“
    Du: „Das ist nicht schwer. Da legt Ihr einfach nen Zugang ein Stück unterhalb für!“ 😉

  7. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Hmm solange nach einem Zugang zu suchen und dich so lange zu malträdieren finde ich bedenklich.
    Ich meine, es gibt ja auch alternative Zugangswege wie intraossär. Klar klingt das auf den ersten Blick auch schmerzhaft, doch ich glaube es tut weniger weh, als so oft gestochen zu werden und vor allem ist der schmerz schnell vorbei, denn eigentlich tut nur das Aufdehnen des Knochens mit etwas Flüssigkeit am Anfang schmerzhaft sei.
    Übrigens durfte ich im Rahmen meiner RA-Ausbildung an einem Phantomknochen üben, ist schon lustig mit der Bohrmaschine.

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