Und dann… landete ich bei der Gastroenterologin im KH.

Sie war eine groß gewachsene, blonde, mehr oder weniger junge Frau. Auch im Sommer trug sie hohe Stiefel – ich hörte sie schon von Weitem kommen, da sie einen sehr „festen“, energischen Gang hatte.

Zuerst wurde meine damalige Nadelphobie in Form einer Konfrontationstherapie „therapiert“, anschließend sprachen wir lange über die Symptome und im Anschluss wurde eine 30-minütige Sono gemacht, in der meine Darmschlingen vermessen wurden. Habe ich schonmal erwähnt, dass ich ’ne Körperkontaktsaversion habe? Dementsprechend „liebe“ ich Sonographien… Eklig. Schon allein die Sonographie zeigte, dass meine Darmschlingen ca. 3 mm verdickt seien.

Wenige Tage später rief die Ärztin bei uns an, weil ein Termin zur Endoskopie für mich frei war und meine Blutwerte sehr schlecht waren. Ich hatte deutlich erhöhte Entzündungswerte und der HB, der Wert, der den Hämoglobingehalt anzeigt, (Farbstoffe aus roten Blutkörperchen, man erkennt daran, dass zu wenig vorhanden sind) sehr niedrig war.

Mit einer Darmspiegelung habe ich gerechnet. Meine größte Sorge war nicht die Untersuchung an sich, sondern das Trinken von ca. 3 Litern ekelhaftem Abführmittel… Auf der anderen Seite war ich neugierig, wie sich wohl eine Narkose anfühlen würde, wie das in einem Krankenhaus so ist und vorallem hatte ich (und habe es immer noch) großes Interesse an medizinischer Technik.

Dementsprechend aufgeregt, aber auch gespannt fuhr ich zum ersten Mal in das Krankenhaus.

Dort angekommen, war ich überrascht. Die Station wirkte freundlich. Es hingen bunte Bilder an der Wand, von der Decke herab sah man aus Moosgummi geschnittene Motive, allerdings fand ich die Geräuschkulisse ziemlich heftig. Überall brüllten kleine Kinder, klingelte jemand nach einer Pflegekraft, redeten Menschen durcheinander oder rannten Kleinkinder durch den Flur.

Ich wartete vor dem Schwesternzimmer, bis mich eine Pflegeschülerin begrüßte und in einen kleinen Warteraum führte. Sie hieß Pia. Nach einigen Minuten im Warteraum  wurde ich von einer Ärztin in das Behandlungszimmer der Station geführt. Erst wurden meiner Mutter und mir einige Fragen gestellt, zum Beispiel, welche Allergien ich habe, ob ich schonmal operiert wurde und ob es Probleme bei meiner Geburt gab. Anschließend wurde ich gebeten, mich auf eine große, graue Untersuchungsliege zu legen. Die Untersuchung war relativ harmlos. Es war das, was jeder von seinem Kinderarzt kennt. Danach sollte ich liegen bleiben, denn mir sollte eine Venenverweilkanüle gelegt werden. SHIT! Ich hatte ja schon erwähnt, wie sehr ich mich damals vor Nadeln fürchtete! Aaaalso… Augen zu und durch… „Ich zähl bis drei und dann kommt der Pieks – Ist das ok für dich?“ – Nein, natürlich NICHT! Muss aber sein.. Am liebsten wäre ich von der Liege gesprungen und abgehauen. „uuuund DREI!“ *piiieks* – „Äh, DAS war’s schon??“ …und schon war’s vorüber…  Ich bekam einen blauen Verband um den Arm und ein weißes Namensbändchen . damit ich nicht verloren gehe, falls ich nochmal Fluchtgedanken bekomme. 😀 Schnell kam noch ein Anästhesist und klärte meine Mutter und mich über die Narkose auf. Den ich ernsthaft gefragt habe, ob die Infinity Deltas im OP haben Danach brachte mich Pia in mein Zimmer. Es war das Zimmer 14, mitten in einem schmalen Gang. Es war klein, hatte einen Fernseher, aber keine Toilette. Es gab zwei Toiletten und zwei Duschen auf der Station, die am Ende des Gangs lagen. Besonders toll für eine potentielle CED’lerin, die dann auch noch drei Liter Abführmittel trinken soll. Das bedeutet: Insgesamt 12 Zimmer teilten sich zwei Toiletten. Sehr appetitlich, wenn man bedenkt, dass manche Kinder mit Infektionen eingeliefert werden, die man nicht sofort als Solche erkennen kann. Bei dem Gedanken daran wurde mir etwas übel… Beste Vorraussetzung, um drei Liter Abführmittel herunterzukippen und im Verdauungstrakt zu behalten… Diese drei Liter bekam ich dann auch schon serviert. Schon allein von dem Geruch wird einem schlecht – es roch undefinierbar eklig. Irgendwie nach Badezusatz und anderem ekligen Zeugs. Pia meinte, ich solle mir Apfelsaft untermischen… Damit war es relativ trinkbar. Halbwegs. Es war so eklig, dass ich gerade mal 1,5 l schaffte, die allerdings ordentlich „reinhauten“. Was für ein Spaß – Alle 10 Minuten mit übelstem Dünnpfiff  und krampfhaft zusammengekniffenen Pobacken über den halben Flur zu rennen, dabei aufpassen, nicht auszulaufen und den Flur zu überschwemmen. Besäße ich ein dafür passendes Kostüm, hätte ich locker und sehr überzeugend einen verkrampften Pinguin imitieren können!

Nun ja. Sowas versteht ein CED’ler unter dem aktuellen Jugendmotto „YOLO“! 😀 Und von Selbstzweifeln („Bin ich zu fäääääätt?“) geplagte, ältere Damen können damit auf ihre Brigittediät verzichten.

Immerhin verlief (das „lief“ darf man hier ruhig wörtlich nehmen…) die Nacht noch relativ ruhig. Was aber nicht bedeutet, dass ich schlafen konnte.  Scheissdreckszeug!

Am nächsten Morgen war’s soweit. Die Frühschichtpflegerin begrüßte mich, teilte mir mit, dass ich Ähnlichkeit mit Kate Moss (WTF?) hätte, gab mir die Prämedikation (die sogar ein wenig angenehmer schmeckte, als die Abführpampe) und schob mich zur Endo. Ich fand es toll, im Bett durch den (unter Midazolamwirkung. 😀 ) schier endlosen Tunnel zu fahren. Meine Mutter war auch dabei. Ein wenig schade, dass sich die Betten nicht in die Kurve legen können. 😀

Im Endoskopieraum angekommen, begrüßten mich 3 grün angezogene Leute. Ich wusste nicht genau, wer welche Aufgabe hatte. Ich war total fasziniert von den ganzen Geräten. Da stand ein Narkosegerät (Julian) mit einem Monitor (I.Delta, yeah!) und ein Turm aus Endoskopiegeräten.

„Wow, ein I. Delta!“ Gab ich fasziniert zum Besten. (Dieses Deja-vú habe ich immer wieder, wenn ich in den OP gehe…) Und musste drüber lachen. Verdammtes Midazolam! Durch dieses Mittel habe ich immer ein grenzdebiles Dauergrinsen drauf und naja… sage das, was mir gerade in den Kopf kommt. Ich fand alles plötzlich irgendwie total witzig. Im Nachhinein war mir das ziemlich peinlich, aber ich glaube, die kennen solche Reaktionen. Vor einer erneuten Endo im Jahr 2009, wirkte das Mittel nicht so gut und der O-Ton einer Schwester war: „Na, du lachst ja heute garnicht!“. PEINLICH! 😀

Als die Gastroenterologin in den Raum trat, ging alles sehr schnell. „Wir schicken dich jetzt schlafen!“ und schon hatte ich das Gefühl von einem Hammer erschlagen worden zu sein und war mehr oder eher weniger sanft im Reich der Jacksonmilchträume angekommen.

3 thoughts on “CED and me 2 – Von Körperkontaktsaversionen, der Brühe des Grauens und dem verdammten Midazolam

  1. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Bei meinenKrankenhauserlebnissen hatteich überwiegend das Gefühl,ziemlich ausgeliefert zu sein.Ausdeinen Berichten spricht immer einestarke Persönlichkeit. Ichglaube, deshalblese ich siegerne.
    Ganz liebeGrüße,
    Mara. 🙂

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