Endlich bin ich von der „Wartung und Reperatur“ wieder in meinem Hangar angekommen.

Es waren ziemlich anstrengende Tage.

Ich hatte eine „Ileostomaretraktion“. Das bedeutet, dass sich das Stoma, das eigentlich „prominent“, also über dem Hautniveau liegen sollte, immer weiter in den Bauch hinein verzieht und somit sehr schwierig zu versorgen ist. Ständig unterliefen die Basisplatten. Ich musste oft bis zu drei oder viermal am Tag einen neuen Beutel kleben und meine Haut sah grauenvoll entzündet aus. In der Schule ist das auch nicht besonders angenehm…

Als ich in den Op kam, hatte mich meine Lieblingsdealerin vom Aufwachraum  zur Begrüßung herzlich umarmt. Fand ich total süß. 🙂 In der Einleitung habe ich dann eine neue Tubuswächterin (das Wort ist geklaut 😀 ) kennengelernt. Als vom „Zugang legen“ die Rede war, hat sie sich erstmal schnell verdrückt. Sie müsse schnell „was holen“. Sie musste wohl etwas „suchen“, denn sie war ungefähr eine halbe Stunde weg. *hust*

Weil die Chirurgen damals die Portanlage „in letzter Minute“ abgeblasen haben, darf die Narkosecrew immer wieder versuchen, irgendwie eine Viggo in mich rein zu jagen. Was aber selten gut gelingt. Ich hatte schon sehr originelle Konstruktionen an mir kleben. Letztens beispielsweise eine blaue Braunüle unter dem Gelenk vom Zeigefinger. Ist komischerweise sogar ganz angenehm zu tragen! 🙂 Dieses Mal wurde ich genau 13 mal gepiekst. Insgesamt haben fünf Leute versucht, diesen doofen, kleinen Schlauch in mich reinzubekommen. Als genau sechs Leute um mich rumstanden, kam der Oberarzt ganz verwundert in den Einleitungsraum. Verwundert war er, bis er mich sah. „Aaah, ja, du wieder! Dann ist ja alles klar.“ Er deutete auf meinen Arm, in dem gerade wild rumgestochert wurde und zwinkerte mir zu. Das Angebot, auch mal sein Glück zu versuchen, lehnte er aber dankend ab. „Das kriegt ihr hin!“ Meinte er und verschwand lieber, bevor er doch rangemusst hätte. Irgendwann traf dann einer meiner Lieblingspfleger eine kleine Vene am Handgelenk mit einer gelben Braunüle. Gelb wird eigentlich bei Babys und Kleinkindern verwendet. Allein für’s Zugang-Legen haben wir über 60 Minuten gebraucht. Nach sage und schreibe anderthalb Stunden bekam ich meine Komakeule. Als Erstes wurde mir -wie immer – Sufentanil gespritzt, was sich total witzig anfühlt. Weil zwei Pfleger plötzlich irgendwie einen Lachanfall bekamen (der Eine hatte nen knallroten Kopf!) durfte ich das Sufenta etwas länger genießen. Als dann die Jacksonmilch kam, war ich ruckzuck weg.

Nach der OP hatte ich im Aufwachraum irgendwie Probleme mit der Atmung. Was genau, weiß ich nicht. Kann mich glücklicherweise nicht dran erinnern. Nur, dass ich mit einer Sauerstoffmaske aufwachte. Könnte mir nur vorstellen, dass ich zu flach geatmet habe, weil ich erstens: ziemliche Bauchschmerzen nach dem Eingriff hatte und zweitens: insgesamt 20 mg Oxygesic postoperativ bekam. o.O Habe also meinen persönlichen Rekord von 10 gebrochen. 😉 Meine Mutter meinte allerdings, dass bei mir auch noch irgendwo ein Beatmungsbeutel in der Nähe hing… Die Schwester sagte meiner Mutter nur, dass ich „keine Luft bekommen“ hätte. In meiner Akte steht, wie ein Stationspfleger meinte, garnichts von dem Zwischenfall. War aber nicht auf der Intensiv, war dann wohl nichts Gravierendes.

Nach zwei Tagen wurde ich wieder etwas mobiler.

Hier meine kleinen Zwischenstände von der Facebookseite:

Circa 4 Stunden nachdem ich wieder auf die Station kam:

Hallo, danke an einige von euch, für die guten Wünsche. es ist alles gut gelaufen, tut aber noch total weh! -.- Die Schmerzmittelgrenze (20mg Oxycodon i.v.) hab ich schon ausgereizt… Muss versuchen, mich von den Schmerzen abzulenken… Echt scheisse… Aber immerhin war Schwester B, meine Lieblingsschwester im AWR. Sie hat mich gleich ganz herzlich umarmt, als ich ankam. Die ist total lieb. 🙂
Morgen muss ich wohl noch in’s MRT, warum auch immer…
Sorry, mehr zu schreiben geht jetzt nicht mehr.. Bis bald!

6 Stunden danach:

Mir geht es wieder besser. Ich habe noch ein starkes Schmerzmittel bekommen (7,5mg Piritramid) und hab nicht mehr so starke Bauchschmerzen. Nun darf ich sogar ein bisschen Suppe trinken. 🙂

Am Tag danach (Mittwoch):

Alles klar. 🙂
Konnte schon aufstehen und brauchte nur am Mittag starke Schmerzmittel. Kann schon wieder ein wenig laufen, bzw. im Rolli fahren, darf wieder vernünftig essen und das Stoma funktioniert einwandfrei. Etwas Bauchschmerz ist aber noch vorhanden. Darf ja auch. Das Blöde ist: Die haben noch im OP meine große Wunde versort. Und ein Bauchtuch (ein GANZES! -.-) reingestopft. Die wollten mir das heute ohne Narkose ziehen. Was aber eben nicht funktioniert. Das bedeutet: Morgen nochmal kurz in den OP. Aber das bin ich ja gewöhnt. 🙂 Jedenfalls geht’s mir wieder so gut, dass mir langweilig ist. Brauch‘ eben Action! 😉

Donnerstag:

Vor einer halben Stunde aus dem Aufwachraum gekommen. Bauchtuch ist draußen! 🙂 Nun werde ich morgen nur noch (mal wieder) im Technoofen gebraten. Man liest sich!

Freitag:

Gleich geht’s in die Technoröhre. Irgendwie ziemlich entspannend in diesem lauten Teil. Ich schlaf da drinnen immer fast ein.
Morgen darf ich die Heiligen-Hallen wieder verlassen! 🙂

Und nun? Jetzt bin ich schon wieder zuhause und habe (mit Ausnahme des kurzen Check.Up’s morgen) bis in zwei Wochen „jetzt erstmal Ruhe“. 😀

 

22 thoughts on “Jetzt erstmal „Ruhe“

  1. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Technoröhre ist das MRT? Ich kenn die Dinger nur aus der Ferne.

    Aber die wichtigere Frage: Hat die OP den gewünschten Effekt gehabt (welcher war das, leichter wartbarer Zugang fürs Stoma?)? Und hat’s sich gelohnt?

    Tut ja auch nicht Not, so viel im Krankenhaus rumzuhängen, wobei ich in ‚meiner‘ Klinik inzwischen schon zwei Charaktere aus der Game of Thrones-Serie gesehen hab. Oder deren Doubles.

    1. Unknown Unknown Unknown Unknown

      hey, abgesehen von den bauchschmerzen, die mich noch beim laufen einschränken, hat’s was gebracht. 🙂 ich muss jetzt jedenfalls keine sorgen mehr um meine kleidung oder bettwäsche machen. 😉

      1. Unknown Unknown Unknown Unknown

        Dann war’s zumindest nicht schlecht. Wobei Bauchschmerzen ja nun auch nicht sein müssen.

        Zu dem Rumgepiekse hab ich mir wohl schon früh ganz gute Venen zugelegt, da haben nur ganz selten Ärzte ein Problem (ich erinner mich da mit Grausen an eine Blutabnahme, wo der Arzt der Meinung war, er müsste unbedingt in der Vene rumwühlen. Und bei der letzten Augen-OP war irgendwas mit dem Zugang nicht gleich ok, da musste der Anästhesist glatt nochmal ansetzen.). Aber hinsehen mag ich trotzdem gar nicht. Und vorher Bescheid sagen sollen die mir auch nicht, ich merk das schon selbst, wenn’s schmerzt.

        1. Unknown Unknown Unknown Unknown

          „in der vene rumwühlen“ – gut ausgedrückt. dieses rumgewühle ist immer total unnötig, denn falls man überhaupt dann trifft, lässt sich der zugang nicht anspülen. ist immer so. entweder man trifft gleich oder garnicht.

      2. Unknown Unknown Unknown Unknown

        Dafür hab ich mir ja so gute Venen zugelegt. Wer da nicht trifft, ist selbst Schuld. Und inzwischen wünsch ich mir die ‚Venenverweilkanüle‘ am liebsten im Handrücken links. Da stört sie mich am wenigsten. Bei den Augen-OPs sitzt die Anästhesie nur gemeinerweise rechts und will den Zugang dann auch da haben. Dafür kommt der Zugang dann auch nach einer Nacht wieder raus, da komm ich damit auch klar…

        Und jetzt wünsch ich mir als nächste OP irgendwas im UKE, da gibt’s WLAN, hab ich kürzlich rausgefunden. Da muss ich nicht mal dringend meine eigene Bandbreite mitbringen… Dazu kommen noch Friseur, Post, Bank und Laden für allen möglichen Kram im Haus.

  2. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Puh, 13 Versuche. Du bist echt ne arme Socke 🙁 Das hat ja schon fast etwas von Akupunktur!
    Aber wenn es ja wenigstens etwas gebracht hat und es dir wieder besser geht muss man das wohl so hin nehmen.

    1. Unknown Unknown Unknown Unknown

      bisher hat’s wohl wirklich was gebracht. 🙂 habe nur noch ständig bauchschmerzen von der op. das nervt ziemlich! aber dafür, dass ich mir nun keine sorgen mehr machen muss, dass unterwegs oder nachts plötzlich die platte abgeht, lohnt es sich. 🙂

  3. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Hallo:)
    Das hört sich ja alles nicht so schön an…
    Ich wünsche dir gute Besserung und richtig schöne Ferien, damit du dann wieder startklar für die Schule bist. 🙂
    Ich lese deinen Blog jetzt schon länger, hab deine Seite von meiner Mutter aus dem Stoma-Forum.
    LG Unicorn ;))

      1. Unknown Unknown Unknown Unknown

        Ich hab meine Mum grade mal gefragt, sie heißt da anne14 und liest da für meine Oma immer. 😉

  4. Unknown Unknown Unknown Unknown

    So lange dich niemand „Nadelkissen“ oder so ähnlich nennt, ist das ja noch OK 😉
    Ich kann mich dran erinnern, dass dereinst als ich noch zum Kinderarzt ging, der Vampir an mein Blut wollte und nix fand. Während der Arzt nun wild am herumbohren war fiel meine Mutter fast in Ohnmacht, während ich munter zusah… 😉

  5. Unknown Unknown Unknown Unknown

    puh, wenn ich das lese, läuft mir schon ein kalter Sauer den Rücken runter. Du schreibst das so locker, als ging’s um einen Sonntagvormittagsspaziergang über eine Sommerwiese.
    Schön, wenn Du’s wirklich so locker siehst, Deine Umgebung (Familie) sieht’s sicherlich nicht so.

    Ich erinnere mich an meine drei Herzkatheteruntersuchungen mit „Stützhülseneinbau“. Der „behandelnde“ Arzt ist ein ganz Lockerer und ich durfte am Monitor zusehen, hoch interessant
    .. nur meine Familie konnte meine Begeisterung nicht so recht teilen ..

    Liebe Grüße
    Hajo

    1. Unknown Unknown Unknown Unknown

      stimmt – meine mutter kann ja nichtmal zusehen, wenn mir auf station blut abgenommen wird. 😀
      ich kenne sowas von meiner oma, als verwandte macht man sich immer mehr sorgen, als der patient selbst.
      warum ich „so locker“ schreibe? ich mach das nicht mal bewusst. ich glaube, es ist so, weil’s für mich einfach normalität ist.

  6. Unknown Unknown Unknown Unknown

    Da frag ich mich aber schon warum du nicht endlich einen Port gelegt bekommst. Ich denk mal wenn man dir irgendwann notfallmäßig einen Zugang legen müßte, dürfte das wohl ziemlich haarig werden.

    Btw. ich les ja schon ein ganzes Weilchen in deinem Blog mit und wenn ich sehe wie vergleichsweise locker du deine Erkrankung nimmst, muß ich immer an Leute denken für die sich beim kleinsten Wehwechen schon die Welt aufhört zu drehen.

    1. Unknown Unknown Unknown Unknown

      hey, das fasse ich mal als lob auf. danke dafür! 🙂
      das mit dem port verstehe ich auch nicht so ganz… die begründung, dass ich keinen bekomme war: „du musst darüber nicht ernährt werden und brauchst nicht permanent wa i.v.“ <- fast-o-ton…
      dank meiner venen wir immer verzögert eingeleitet… echt nervig. nicht nur für mich, sondern vor allem für die narkosecrew.. -.-

      1. Unknown Unknown Unknown Unknown

        So war es auch gedacht. 🙂

        Was den Port betrifft, ist es doch so das dir wohl sicher noch der ein oder andere Eingriff bevorsteht und irgendwann keine nutzbare Vene mehr zur Verfügung steht. Spätestens dann führt am ZVK kein Weg mehr vorbei, und ich finds dann halt unsinnig und auch nicht medizinisch begründbar damit zu warten.
        Aber ich glaub manchmal muß man die Halbgötter in weiß auch nicht verstehen. 😉

        1. Unknown Unknown Unknown Unknown

          oh ja… aber blöd wird’s wirklich, falls ich – wie du schon sagtest, nen unfall oder so habe und schnell einen zugang benötige…
          die wollen das wohl auch wegen einer infektionsgefahr nicht… vorallem, weil schon leichte infektionen ordentlich reinhauen, so wird aus einer normalen erkältung, bei denen andere leichten schnupfen haben, aber zur schule können, eine bronchitis, wegen der ich ne woche in der schule fehle.
          außerdem: mich müssen ja immer nur die anästhesisten pieksen. ist den chirurgen ja egal 😀

Kommentar verfassen