Nach den ganzen Klinikaufenthalten kam ich in eine „Schule“.

Es ist eine Kleine, mit gerade mal 50 Schülern. Sie liegt auf dem Klinikgelände.

Da bin ich nun gut ein Jahr.

Es ist super, dass da wieder an einen „normalen“ Schulalltag gewöhnt wurde. Ich fand mich die ersten zwei Monate noch nicht so gut zurecht im Unterricht. Ich war zwar schneller als die Anderen, aber immer sehr unkonzentriert und habe viel gequatscht.

Das ist allerdings nun nicht mehr der Fall. Ich kann sogar behaupten, dass ich nun besser als vor drei Jahren lernen kann.

Nun bin ich  „schulisch rehabilitiert“ und langweile mich Tag für Tag im Unterricht, da das Unterrichtsthema „ausgewälzt“ wird, obwohl die Themen dem Grundschulniveau entsprechen.  Oft ist es Stoff aus der 6. – 7. Klasse…  Da ich „neue“ Themen immer gleich auf Anhieb verstehe, langweile ich mich halb zu Tode.  Es wird kaum gearbeitet. Und wenn, dann bin ich die Schnellste und habe manchmal sogar nichts mehr zu tun. Seitdem ich mich darüber beschwerte, bekomme ich aber meist „Nachschub“. Z.B. heute bekam ich mehr Aufgaben. Ich machte fünf, die Anderen ein bis drei Stück.

Wir sind gerade mal 8 Leute in der Klasse.

Zu Anfang der Beschulung wurde meiner Mum und mir sonst was versprochen. Ich würde den gesamten verpassten Stoff dort nachholen und alles würde so individuell wie es nur möglich sei, sein. Und was ist passiert? GARNICHTS. Erst nach massivem Druck meiner Mutter und mir, habe ich 4Std. erweiterten Unterricht pro Woche bekommen. Dazu muss ich anmerken: Montags bekomme ich nur Blätter, die ich bearbeiten soll, aber der Lehrer ist nur „auf Abruf“ da.

Die Schule hat sich eigentlich auf die schulische Reintegration von seelisch behinderten Kindern spezialisiert.  Nicht auf KÖRPERLICH Kranke. Deshalb ist ständig jemand da, der aufpasst, sogar Gespräche unter den Schülern manchmal mithört und sich einmal sogar die Frechheit herausnahm, ein Gespräch zu verbieten. Es ging nur um diese „Deine Mudda-Witze“, die nicht einmal unanständig waren. Jeder wusste, dass die einfach nur so dahinerzählt waren und niemanden persönlich betrafen dazu hat jeder gelacht.

Oft betreiben die Lehrer Machtmissbrauch. Z.B. dürfen sich die Schüler bei Ausflügen nichts kaufen, mit der Begründung, dass es gemein sei, gegenüber den anderen Schülern, die kein Geld dabei haben. Und was machen dann die Lehrer? Sie kaufen sich irgendwelchen Süßkram und teilen sich das vor den Augen der Schüler_innen. Und nein – Dies passierte nicht nur einmal, es ist eine Regelmäßigkeit. Immer, wenn ich solch eine Situation erlebe, weise ich die Lehrer freundlich (!) darauf hin. Die sagen dazu dann aber nie etwas oder weichen aus, bzw. begründen mit den abenteuerlichsten Geschichten, wieso die das getan haben…

Einmal erlaubte sich eine Lehrerin sogar, sich am Wandertag, als wir in einem Museum in getrennten Gruppen waren, sich einfach ohne meine Anwesenheit und damit verbundene Zustimmung, an meiner Tafel Schokolade, die auf meiner Brotbox auf dem Tisch lag, zu bedienen. Ich war so verärgert und geschockt, dass ich da garnicht adäquat reagieren konnte. Ich habe das in dem Moment einfach so hingenommen, weil mir einfach die (freundlich klingenden) Worte fehlten und ich mich nicht im Ton oder in der Wortwahl vergreifen wollte, da ich mich nicht auf deren Niveau begeben will.

Gerade ein bestimmter Lehrer kann mich nicht leiden. Naja, was heißt „mich“. Der hat auch was gegen andere Schüler. Dieses „nicht-leiden-Können“ lässt der einen deutlich spüren. Das geht von einem ewig grantigen Blick bis hin zu falschen Unterstellungen. Heute z.B. war ich morgens in der Klasse, um meine Hefter ein wenig zu ordnen. Eigentlich soll man sich im Aufenthaltsraum aufhalten, wenn man Pause hat. Aber ich hatte nun mal zutun. Irgendwann kam eine Mitschülerin rein, um etwas zu trinken. nach wenigen Sekunden, die das Mädel drinnen war, stürmt der Typ rein, schreit uns in einem  unangebrachten Ton an und wird zunehmend aggressiver. Schmeißt das Mädel dann raus, stellt sich vor mich, motzt mich in einer extremen Tonlage an, benutzt eine aggressive, fast schon beleidigende Sprache und unterstellt mir, dass ich meine Mitschülerin in den Klassenraum „gelockt“ hätte und dass ich „das getan hätte, weil ich ihr schaden wollen würde“. Auf meine Frage, wie er denn darauf käme, wurde nur herumgedruckst. Ich antwortete darauf, dass er meinetwegen denken kann, was er will und ob er vielleicht, wenn er das hinkriegen könnte, seine Fantasie doch bitte anders ausleben würde. (jaja, ich weiß, ich kann unter solchen Umständen ziemlich frech werden. 😉 )  Daraufhin verschärfte er seinen eh 24 Std. vorhandenen Todesblick und knallte die Tür zu. Ich musste dann voll lachen, weil es einfach immer zu lustig und peinlich für den ist, wenn der ausflippt. Wegen Nichtigkeiten. Der macht aus ner Mücke nen Elefanten, bzw. verwandelt die Mücke durch seine blühende Fantasie warscheinlich in ein fliegendes Urzeitwesen, dass 90.000.000. v. Chr. lebte. 😀

Alle werden wie kleine Kinder behandelt, obwohl die Meisten schon 12 – 14 sind. Ich kann es ja nachvollziehen, wenn ein aggressives und extrem hyperaktives Kind mehr Aufsicht und Struktur benötigt, allerdings gibt es aber auch Grenzen. Man muss den Leuten nicht ständig am Rockzipfel hängen, wenn es z.B. im Aufenthaltsraum ruhig ist. Auch ich werde wie ein unmündiges Baby behandelt.

Auch „intime“ Details über meine Krankheit werden von den Lehrern an „Unbefugte“ herausposaunt.  Da ergab sich einmal folgende Situation: Wir hatten bis vor Kurzem eine Sekretärin bei uns, die nun aber eine andere Stelle hat. In der Mittagspause hatten wir uns mal ein wenig unterhalten. Sie erzählte mir, dass sie damals in dem Krankenhaus als Krankengymnastin arbeitete. Ich fragte sie, wen sie denn da so alles kennt. Das erzählte sie mir dann und fragte mich im Anschluss, wie ich denn mit dem Beutel am Bauch lebe. Ich habe ihr allerdings nicht erzählt, was ich habe. Von mir wusste sie nur, dass ich eine chronische Erkrankung habe und die Krankengymnasten daher kenne. Wer das alles herumquatscht, weiß ich nicht.

Immerhin sind die Schüler_innen nett und liebenswert. Es sind alles besondere und interessante Menschen, die schon eine Menge an seelischem Leid hinter sich haben. Sie wurden falsch verstanden, fertig gemacht und ich habe bei manchen den Eindruck, dass das Selbstbewusstsein auch ganz weit unten ist. Nicht nur wegen ihren vorangegangenen Erfahrungen. Diese Schule trägt auch stark dazu bei.

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Das war nur der Vorlauf, damit ihr den nächsten Post versteht.

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2 thoughts on “Lieber den eigenen Weg gehen… – der Vorlauf

  1. Unknown Unknown Unknown Unknown

    und wie genau helfen diese lehrer den schuelern? das ist mir nicht so ganz klar. die machen doch eigentlich alles nur schlimmer? und gut, dass du dich auch mal wehrst, ich koennte sowas wahrscheinlich nicht, ich bin in solchen situationen immer viel zu perplex..

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